Glas-Krypta

Aus Bauhaus im Westen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Einleitung

Unter dem Namen „Glas-Galaxien ein Stoff im Wandel“ fand die „Unkonferenz“ im April in den Räumlichkeiten des NRW-Forums statt. Diskussionsthema war das Material Glas und seine verschiedenen historischen Denkbilder. Zum Rahmen des Programms gehörte auch eine Rundführung durch die Krypta der Robert-Schumann-Hochschule zusammen mit ihrem Erbauer Emil Schult. Die Krypta zeichnet sich aus durch ihre Acrylglasscheiben, welche nicht nur alle Wände der Krypta verdecken, sondern auch durch die Technik der Hinterglasmalerei verziert wurden. Schult bediente sich bei seiner Themenwahl Symbole und Allegorien aus der Antike bis hin zum neuen Testament. [^1] Die Führung war ein wichtiger Bestandteil unserer „Unkonferenz“, da sie uns sowohl die Technik der Glasmalerei als auch die die sakralen Eigenschaften des Glases näherbrachte.

Glasmalerei

Die Ursprünge der Hinterglasmalerei liegen in der Antike des 3. Jh. vor Christus. Dort sollen römische Handwerker gläsernes Geschirr mit Blattgold versehen haben. Diese Technik wurde in Mesopotamien bis ins 12. Jh. angewendet. [^2] Ebenfalls im 14. Jh. In Oberitalien erlebte die Malerei auf Glas einen Aufschwung, die italienischen Meister waren bekannt für ihre Radierungen auf Goldfolien. Diese wurden dann später an den Kehrseiten der Glastafeln befestigt. [^3] Erst am Ende des 17.Jh. entsteht die Hinterglasmalerei, als bäuerliche Volkskunst. Zu dieser Zeit wurden Massenweise Werke geschaffen und exportiert. Dabei handelte es sich häufig um katholische Andachtsbilder. Dieses Profil sollte die Hinterglasmalerei auch bis zu ihrer Ablöse durch den Öldruck behalten. [^4] Erst durch die von Kandinsky gegründete Kunstvereinigung der Blaue Reiter, Anfang des 20. Jh., wurde der Technik der Hinterglasmalerei wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. [^5] Das besondere bei der Hinterglasmalerei, ist dass die einzelnen Arbeitsabläufe rückwärts getätigt werden müssen. So muss der Maler erst besondere Kleinigkeiten zeichnen bevor die hintere Grundierung schafft. Nicht zu vergessen ist, dass alles seitenverkehrt gemalt werden muss, damit es von der Vorderseite nicht spiegelverkehrt abgebildet ist. [^6] Beim Bau der Krypta wurde jedoch auf Glasplatten verzichtet, Schult nutzte stattdessen Kunststoffplatten, welche er extra gießen lies. Diese wurden mit einem „Spritzverfahren eingefärbt“ [^7] und letztendlich durch Lack versiegelt. [^8] Jedoch unterscheidet sich dieses Verfahren deutlich von den traditionellen Techniken zur Herstellung der Hinterglasmalerei.

Emil Schult

Emil Schult wurde 1946 in Dessau geboren. In den späten 60er Jahren beginnt er an der Düsseldorfer Kunstakademie unter Beuys, Richter, Roth zu studieren. Von 1970 bis 1982 arbeitete er mit der Band "Kraftwerk" an den Alben Autobahn, Radioaktivität und Computerwelt. Ab 1991 arbeitet er als freischaffender Künstler in Düsseldorf, zwischen 1995 und 2000 entsteht auch die Krypta in der Robert-Schumann-Hochschule. Ab 2003 entstehen seine Hinterglasmalerei-Werke, auf denen er Pioniere der elektronischen Musik darstellt. [^9]

Bei einem Blick durch den Katalog Fluxus to Future, welcher Schults Werke zwischen 1967 und 2017 ausstellt, fällt dem Betrachter sofort Schults Verbindung zur Popkultur auf. So finden neben etlichen Comics und Liedertexten auch Portraits von Sängern und Entertainern ihren Platz in dieser Zusammenfassung. Schults Werke gehören entweder der Malerei, der Musik oder der Poesie an, jedem seiner Werke sieht man eine enge Beziehung zur Popkultur des 20. Jh.an. Letztendlich hat Emil Schult sich bei seiner Kunst nicht nur der Pop-Kultur bedient, er veränderte sie auch maßgeblich durch seine Kunst mit.


Krypta

Nachdem ich so einiges über die Technik, ihren Hintergrund, den Erbauer der Krypta und seinen Bezug zur Popkultur erläutert habe, ist es noch notwendig das Zusammenspiel der oben genannten Themen innerhalb der Krypta zu erklären.

Aufgrund der starken Spiegelung, welche Aufgrund der Hinterglasmalerei und des von Schulz gewählten Materials vorhanden ist, ähnelt die Krypta einem Spiegelsaal. Der Betrachter der Krypta wird mehrfach mit seinem Spiegelbild konfrontiert, diese Thematik der unausweichlichen Selbstreflexion und Betrachtung erinnert an einen Kraftwerk Song, welcher von Schult geschrieben wurde, dieser hat den Namen Spiegelsaal. Obwohl Schult bei seiner Hinterglasmalerei kein Glas verwendet hat, sondern Acryl, hat die Krypta doch einige wesentliche Sakrale Elemente. Diese erinnern an Kirchenfenster und werden durch die vielen christlichen Motive welche in der Verbindung mit Glas dargestellt werden, hervorgerufen.


Quellen

^1 Kirchmeyer, Hutmacher, Schult: Symboliken einer Krypta, Düsseldorf: 2011, S.11 ^2 Reyser, Frieder: Verzauberte Bilder, München: 1991, S.35 ^3 Freytag, Otto: Hinterglasmalerei, Ravensburg:1937, S.9 ^4 Dammert, Udo: Volskunst der Welt, Hinterglasmalerei im Allgäu: 1975, S.6 ^5 Knaipp, Friedrich: Hinterglaskünstle, München: 1988, S.15 ^6 Dammert, Udo: Volskunst der Welt, Hinterglasmalerei im Allgäu: 1975, S.7 ^7 Kirchmeyer, Hutmacher, Schult: Symboliken einer Krypta, Düsseldorf: 2011, S.24 ^8 Kirchmeyer, Hutmacher, Schult: Symboliken einer Krypta, Düsseldorf: 2011, S.24 ^9 Kirchmeyer, Hutmacher, Schult: Symboliken einer Krypta, Düsseldorf: 2011, S.8