Formlebkuchen von Lydia Driesch-Foucar

Aus Bauhaus im Westen
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Werkbeschreibung des Formhonigkuchengebäcks von Lydia Driesch-Foucar

Die Bauhauskünstlerin Lydia Driesch-Foucar formte ihr kunstvoll gefertigtes Gebäck in verschiedener Art aus, gestaltete dieses facettenreich und modernisierte somit das ursprüngliche Formkuchendesign. Sie arbeitete dabei sowohl mit Backformen die Menschengestalt annahmen, als auch mit Backvorlagen die wie Herzen und Blumen aussahen. Ebenso bediente sie sich Motiven der Tierwelt. Alle Formkuchenmotive gab es dabei in unterschiedlicher Größe und Gestalt. Mit Zuckerguss und Zuckerperlen bunt verziert, variierte dabei außerdem die Gestaltung der Farben, welche meist leuchteten sowie glänzten und zum Beispiel in Pastelltönen oder Grundfarben gehalten waren. Mit Zuckerguss verdeutlichte sie an einigen Stellen die Konturen sowie die dreidimensionale Wirkung der Körper. Dazu reichlich mit Ornamenten versehen, schmückten die verschiedenen Muster und Ranken die Gewänder und Körper der Honigkuchenfiguren, Formen und Tiere.

Formhonigkuchen – Was ist das?

Bildlebkuchen, also Lebkuchen die in Form geschnitten oder gepresst werden, gab es bereits seit dem 15. Jahrhundert. Traditionell zeigten diese Kuchen religiöse Motive und sind weiterhin in Form von figürlichen Darstellungen wie Menschen und Tiere zu finden gewesen. Diese Gebäcke wurden zu Festen des Kirchen- oder des Bauernjahres hergestellt und verzehrt. Ungefähr ab dem 16. Jahrhundert sind figürliche Lebkuchen weiter verbreitet worden und wurden vor allem in Formen von Frauen und –Männern, besonders im englischsprachigen Raum zu Festen wie Weihnachten und Ostern verschenkt. Im deutschsprachigen Kulturraum ist das Gebäck noch heute unter den Namen Lebkuchen, Honigkuchen, Pfefferkuchen oder Formgebäck zu finden. Auch hier ist diese Leckerei ein typisches Weihnachtsgebäck. Einige Sorten werden auch auf Jahrmärkten und Volksfesten ganzjährig angeboten. Es ist meist süß, kräftig gewürzt und vor allem lange haltbar und kommt in vielfältigen Varianten vor. Die Hauptbestandteile sind meist Mehl, Honig, Eier und Nüsse, typische Gewürze sind außerdem Anis, Fenchel, Ingwer, Kardamom, Koriander, Macis, Muskat, Nelken, Piment und Zimt.

Bauhaus und das Formhonigkuchengebäck

In vielen Familien gab es die Tradition zu Weihnachten solch ein Formgebäck anzufertigen und es zu verschenken, so auch in der Familie von Lydia Driesch-Foucar. Sie wurde am 18.02.1895 in Friedrichsdorf geboren und verstarb im Jahre 1980 am selben Ort. Auf der Münchner Kunstgewerbeschule wurde sie zur Keramikerin ausgebildet und schuf außerdem Modelle für die Porzellanfabrik Hutschenreuter. Im Jahre 1920 gingen sie und ihr Mann Johannes Driesch ans Bauhaus. Dort lernten sie in der Bauhauskeramikwerkstatt von Gerhard Marcks, mit dem sie außerdem eine gute Freundschaft pflegten. Das Ritual die Kuchen zur Weihnachtszeit auszutauschen gab es zwischen den befreundeten Familien Marcks und Driesch-Foucar seit dem Jahr 1923. Als im Jahre 1930 Lydia Driesch-Foucars Mann verstarb musste die Witwe ihre Kinder alleine versorgen und versuchte sich in der Herstellung von handgenähten Ledertieren sowie dem Verfassen von Kinderbüchern und der Herstellung von Spielen. Zur Jahreswende 1932 schrieb Maria Marcks an Lydia Driesch-Foucar einen Brief. Indem sie ihr den Ratschlag erteilte, rund 100 Lebkuchen für einen Weihnachtsmarkt in Halle zu verschicken, da die Lebkuchen häufig auf Gefallen gestoßen waren und sich somit zusätzliches Geld verdienen lassen würde. Das Geschäft war nicht sonderlich lukrativ und Lydia Driesch-Foucar eröffnete stattdessen ein kleines Pralinen und Zigaretten Geschäft im Hause ihrer Eltern. Im März 1934 bekam Lydia Driesch-Foucar die Gelegenheit mit dem Namen „Werkstadt für künstlerische Formhonigkuchen“ ihr kunstvoll gestaltetes und liebevoll verziertes Gebäck auf der Leipziger Frühjahresmesse ausstellen. Normalerweise wurden auf dieser Messe lediglich Haushaltswaren, Textilien und Möbel ausgestellt. Der Bund Deutscher Handwerker hatte das Formgebäck jedoch, wegen seines modernisierten Designs und seiner farb- und formreichen Gestaltung zum Kunsthandwerk erklärt und Lydia Driesch-Foucar zum Mitglied ernannt. Wegen der darauf folgenden, hohen Nachfrage, wurde im Haus eine zusätzliche Werkstatt errichtet. Mit der Hilfe weiterer Frauen sowie eines größeren Ofens, gelang es somit auch umfangreicheren Bestellungen und Aufträgen nachzukommen. Die Herstellung sowie der Vertrieb, Werbung und Verkauf wurden professioneller und Lydia Driesch-Foucar ließ Prospekte und Preislisten drucken. Sie beantragte auch einen Gebrauchsmusterschutz, um sich vor Imitationen zu schützen und ihr Geschäft abzusichern. Es ist bekannt, dass zur Weihnachtszeit im Jahre 1936 an vielen Orten in Berlin ihr Formgebäck zu finden war. Ein Jahr später gab sie jedoch die Lizenz zur Herstellung an einen Mann aus Kopenhagen weiter. Die Kriegsjahre traten ein und ihre eigene Werkstatt sowie die Zweigstelle in Dänemark mussten schließen. Ab dem Jahre 1942 konnte lediglich ihr Geschäft, das Überleben der Familie absichern. Erst nach 1945 nahm Lydia Driesch-Foucar zur Weihnachtszeit, die Herstellung der Formkuchen wieder auf. Um 1965 schickte sie ihre Honigkuchen sogar in die USA mit dem Vermerk, die Kuchen seien in bester Bauhaustradition hergestellt worden. Dort wurden letztendlich auch Walter und Ise Gropius auf den Kunstkuchen aufmerksam. Heute sind einige der Formen des Formhonigkuchengebäcks von Lydia Driesch-Foucar im Bauhaus-Archiv Berlin verwahrt.

Literatur & Quelle

Frauen am Bauhaus: Wegweisende Künstlerinnen der Moderne von Elizabeth Otto und Patrick Rössler, 2019, S.30-32.

https://blog.klassik-stiftung.de/ueberleben-mit-formgebaeck/